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Szenario 3 – Dominierende Macht

Eine einzelne Macht dominiert die globale Bühne politisch, wirtschaftlich, technologisch und militärisch, setzt ihre Standards durch und drängt Europa in eine begrenzte Rolle. Diese Hegemonie befeuert eine neue Globalisierungswelle, die Wachstum und Sicherheitsstabilität fördert und tendenziell Ungleichheiten sowie Migrationsdruck mindert. Zwar festigt die technologische Dominanz die Abhängigkeit, doch dank ihrer Innovationen kommen der Klimaschutz voran, die Emissionen sinken und die Biodiversität wird gestärkt.

Wie sieht die Welt in diesem Szenario aus?

Geopolitische Verhältnisse & Zusammenhalt der EU

In diesem Szenario dominiert im Jahr 2040 eine Grossmacht die Geopolitik. Globale Institutionen und weltweit geltende wirtschaftliche sowie technologische Standards werden massgeblich von dieser geprägt. Die meisten Staaten orientieren sich politisch, wirtschaftlich sowie militärisch an dieser hegemonialen Grossmacht und ordnen sich teilweise auch unter. Auch die europäischen Staaten stehen wirtschaftlich, politisch, technologisch und militärisch unter dem Einfluss der dominierenden Grossmacht. Die EU nimmt in Europa eine wichtige koordinierende Rolle für die europäischen Staaten ein, orientiert sich jedoch stark an den Vorgaben der Grossmacht.

Weltwirtschaft & Sicherheitslage

Die Grossmacht ist bestrebt, ihre eigene Wirtschaft zu fördern und setzt hierfür bewusst auf die Stärkung des internationalen Handels. Sie wirkt daher mit bilateralen Handelsabkommen sowie auch via multilaterale Organisationen proaktiv auf die Implementierung von weltweit geltenden wirtschaftlichen und technologischen Standards hin. Dies wirkt sich positiv auf die globalen Lieferketten, die Versorgungssicherheit und somit auf das Weltwirtschaftswachstum aus. Die voranschreitende Globalisierung und die damit einhergehenden Veränderungen in einigen Ländern führen jedoch in verschiedenen Staaten und namentlich in Europa auch zu Verunsicherung. Zudem verlegen wichtige Finanzinstitute ihren Hauptsitz in das Staatsgebiet der Grossmacht. Trotz verschiedenen Anpassungen nationaler Rahmenbedingungen für die Finanzbranche können die meisten Staaten diese Entwicklung nicht verhindern.

Die globale Sicherheitslage ist weitgehend stabil. Dies ist einerseits auf die zuvor beschriebene prosperierende wirtschaftliche Entwicklung sowie andererseits auf die militärische und technologische Dominanz der Grossmacht zurückzuführen. Mit Ausnahme von kleineren regional begrenzten Konflikten sind keine zwischenstaatlichen bewaffneten Konflikte absehbar. Zahlreiche Staaten reduzieren daher ihre Ausgaben für die Verteidigung und investieren die freiwerdenden Mittel in Forschung und Entwicklung sowie auch in soziale Absicherung. Die hegemoniale Grossmacht investiert weiterhin nennenswerte Mittel in ihre Verteidigungsfähigkeit und baut somit ihren sicherheitspolitischen Vorsprung gegenüber den anderen Staaten aus.

Technologie, Klimawandel & Biodiversität

Weltweit werden grosse technologische Fortschritte erzielt. Die Forschung profitiert von der wachsenden Weltwirtschaft aber auch von einer gezielten politischen und finanziellen Förderung in verschiedenen Staaten. Schlüsseltechnologien – namentlich in der künstlichen Intelligenz, Robotik und Biotechnologie – werden jedoch in erster Linie von Institutionen und Unternehmen mit Sitz im Staatsgebiet der hegemonialen Grossmacht entwickelt und durch diese vertrieben. Dies erhöht die Abhängigkeit der anderen Staaten und schränkt deren regulatorischen Spielraum ein. Die europäischen Staaten sind in hohem Masse abhängig von diesen Schlüsseltechnologien. Nicht zuletzt ermöglicht die technologische Dominanz und die breiten Anwendungsmöglichkeiten den Unternehmen der hegemonialen Grossmacht eine weitgehende Überwachung der Nutzerinnen und Nutzer.

Auch im Bereich der Entwicklung und Anwendung von Technologien zur Verminderung der Treibhausgasemissionen sowie der Negativ-Emissionstechnologien wurden grosse Fortschritte erzielt. Eine Führungsrolle nahmen dabei vorwiegend Unternehmen mit Sitz auf dem Staatsgebiet der dominanten Grossmacht ein. Diese ist bestrebt, ihre Unternehmen beim globalen Vertrieb dieser Technologien zu unterstützen und setzt sich daher mit bilateralen Verträgen sowie via multilaterale Organisationen für die Einhaltung des 2-Grad-Ziels ein. In zahlreichen Staaten werden auf Druck der Grossmacht wirksame Klimaschutzmassnahmen definiert und umgesetzt. Die Erreichung des 2-Grad-Ziels bis zum Jahr 2100 ist daher realistisch. Als Folge dieser konsequenten Klimaschutzpolitik steigt weltweit auch die Sensibilität der Bevölkerung für den Schutz der Artenvielfalt sowie für die Bedeutung funktionierender Ökosysteme. Entsprechende Massnahmen zur Erhaltung der Biodiversität werden in den meisten Staaten ergriffen.

Ungleichheit & Migration

Die sozioökonomische Ungleichheit nimmt weltweit tendenziell ab. Dies ist in erster Linie auf die prosperierende Weltwirtschaft sowie die stabile Sicherheitslage zurückzuführen. Die Beschäftigungsquoten sind weltweit vergleichsweise hoch und zahlreiche Staaten konnten die Mittel, welche durch die Reduktion der Ausgaben für die Verteidigung freigeworden sind, in das Sozialsystem umleiten.

Die weltweiten Migrationsbewegungen stagnieren, da die wachsende Weltwirtschaft und die stabile globale Sicherheitslage klassische Anreize zur Auswanderung wie bspw. die Arbeitsaufnahme oder die Flucht vor bewaffneten Konflikten drastisch reduziert haben. Im Weiteren haben verschiedene Zielländer strikte Regelungen zur Begrenzung der Zuwanderung eingeführt.

Was wäre die Situation in der Schweiz?

Schweiz unter dem Einfluss der Grossmacht

Die Schweiz steht in diesem Szenario – wie die anderen europäischen Staaten – unter dem prägenden Einfluss der dominanten Grossmacht. Während sie in innenpolitischen Angelegenheiten und namentlich auf kommunaler Ebene einen gewissen Gestaltungsfreiraum behält, orientiert sie sich bei wirtschafts- und aussenpolitischen Fragen direkt an den Vorgaben der Grossmacht. Diese knüpft wirtschaftliche Fragen zunehmend auch an sicherheitspolitische Bedingungen. Um weiterhin den privilegierten Zugang zum Wirtschaftsraum der Grossmacht zu erhalten, hat die Schweiz daher einen bilateralen Vertrag unterzeichnet, welcher auch Elemente der militärischen Kooperation regelt. Die Schweiz positioniert sich in der Folge nicht mehr als neutraler Staat.

Überwachung allgegenwärtig

Der schweizerische Forschungs- und Innovationsstandort hat massgeblich zu den erreichten technologischen Durchbrüchen in der Biotechnologie sowie auch in der Robotik beigetragen. Die Kontrolle über diese Technologien bleibt aber bei Institutionen und Unternehmen mit Sitz im Staatsgebiet der hegemonialen Grossmacht, welche die diesbezüglichen Forschungsprojekte in Auftrag gegeben und finanziert haben. Im Bereich der digitalen Technologien und Medien bleibt die Schweiz – wie auch die europäischen Staaten – deutlich im Rückstand und abhängig von Unternehmen mit Sitz im Staatsgebiet der Grossmacht. Diese entwickeln und betreiben auch einen Grossteil der in Europa zugänglichen digitalen Plattformen und Technologien. Die Überwachung von Institutionen, Unternehmen sowie auch der Bürgerinnen und Bürger ist daher allgegenwärtig und weder die Datenschutz- noch die Informationsschutzbestimmungen können von den schweizerischen Behörden durchgesetzt werden. Für das demokratische Staatswesen stellt die Dominanz dieser Plattformen zudem eine Herausforderung dar. Denn bei Abstimmungen und Wahlen häufen sich Anzeichen, dass in Social Media koordinierte Kampagnen mit gezielter Desinformation geführt werden. Das Vertrauen in die Institutionen leidet entsprechend.

Pharma- und die Maschinenindustrie profitieren

Die wachsende Weltwirtschaft wirkt sich positiv auf die schweizerische Wirtschaft aus. Profitiert haben insbesondere die Exportbranchen und namentlich die Pharma- und die Maschinenindustrie, welche wichtige Zulieferer für grosse Unternehmen im Staatsgebiet der Grossmacht bleiben. Hingegen hat die Finanzbranche deutlich an Bedeutung verloren, da wichtige Finanzinstitute ihren Hauptsitz in das Staatsgebiet der Grossmacht verlegt haben.

Umfassende Anpassungsmassnahmen an den Klimawandel

Auch von der stabilen globalen Sicherheitslage profitiert die Schweiz direkt. So konnte sie die Ausgaben in die Verteidigungsfähigkeit reduzieren und die dadurch freiwerdenden Mittel in die Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel investieren. Die vermittelnde Rolle («gute Dienste») der Schweiz in Konflikten wird seltener in Anspruch genommen, da die dominante Grossmacht diese Rolle direkt wahrnimmt. Ebenso hat die Schweiz – und namentlich Genf – als Standort internationaler Organisationen an Bedeutung verloren. Es zeichnet sich ab, dass diese ihre Hauptsitze ins Staatsgebiet der dominanten Grossmacht verlegen werden.

Obwohl die Erreichung des 2-Grad-Ziels bis zum Jahr 2100 aufgrund grosser weltweiter Anstrengungen und neuen Technologien realistisch ist, machen sich die Folgen des Klimawandels bemerkbar. Der Alpenraum und somit auch die Schweiz ist dabei überdurchschnittlich stark von Extremwetterereignissen betroffen. Die globale sicherheitspolitische Stabilität erlaubt es der Schweiz, umfangreiche Mittel welche nicht mehr für den Erhalt der Verteidigungsfähigkeit erforderlich sind, in Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in der Schweiz sowie auch zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu investieren. Dies umfasst Infrastrukturmassnahmen in den besonders vulnerablen Bergregionen sowie in den Städten des Mittellandes, deren Bevölkerung unter den teilweise wochenlang hohen Temperaturen leidet. Massnahmen zur Renaturierung sowie zur Förderung der Resilienz der Ökosysteme geniessen in der Bevölkerung breiten Rückhalt.

Arbeits- und Fachkräftemangel verschärft

Die Stagnation der weltweiten Migrationsbewegungen wirkt sich auch auf die Schweiz aus. Nachdem sie über mehrere Jahrzehnte positive Bevölkerungswachstumszahlen verzeichnet hat, gehen diese nun als Folge der tiefen Einwanderungssaldi sowie der tiefen Geburtenquote langsam zurück. Der Arbeits- und Fachkräftemangel in gewissen Branchen verschärft sich in Kombination mit der wachsenden schweizerischen Wirtschaft und der demografischen Alterung. Betroffen sind namentlich die produzierende Exportindustrie sowie die Medizin- und Pflegebranche. Die gezielte Anwerbung von geeigneten Arbeits- und Fachkräften im Ausland sowie die Erhöhung des Renteneintrittsalters prägen diesbezüglich die politische Diskussion.

Umverteilungssysteme unter Druck

Während die sozioökonomische Ungleichheit weltweit abnimmt, bleibt diese in der Schweiz unverändert. Diese divergierende Entwicklung führt in der Schweiz zu Forderungen nach einer Anpassung der Umverteilungssysteme. Die diesbezügliche Diskussion geht einher mit der Diskussion über die nachhaltige Finanzierung der Sozialversicherungen. Letztere weisen zunehmend auf Probleme für die Finanzierung in Zusammenhang mit der anhaltenden gesellschaftlichen Alterung, der tiefen Geburtenrate sowie der niedrigen Zuwanderung hin.

Die anderen Szenarien

Szenario 1 – Geteilte Weltordnung

Die globale Ordnung ist tief gespalten: Zwei rivalisierende Grossmächte mit unterschiedlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodellen ziehen die Welt in entgegengesetzte Richtungen, während Europa intern fragmentiert bleibt. Diese Rivalität dämpft den Welthandel, verschärft sozioökonomische Ungleichheiten und treibt damit soziale Polarisierung sowie Migration an. Zudem mündet der technologische Wettlauf zunehmend in hybride Konflikte, wodurch dringliche Umweltfragen ins Hintertreffen geraten – eine Entwicklung, die die ohnehin angespannte Lage weiter destabilisiert.

Szenario 2 – Regionale Allianzen

Die Welt zerfällt zunehmend in isolierte geopolitische, wirtschaftliche und teils militärische Einflusszonen, was Handel und technologischen Fortschritt bremst. In diesem fragmentierten Umfeld bleibt Europa ein Pol der Stabilität, sieht sich jedoch verstärkt hybriden Bedrohungen ausgesetzt. Beim Klimaschutz fehlen bislang die nötigen Innovationen und die internationale Koordination, während der Biodiversitätsverlust globale und regionale Ökosysteme gefährdet. Trotz stagnierender sozioökonomischer Ungleichheit nehmen die Migrationsbewegungen zu.

Weiterführende Inhalte

Handlungsfelder für die Schweiz

Die Erkenntnisse aus dem Szenarien-Raum sind bereits in der Gegenwart zu adressieren, um zentrale Herausforderungen sowie Chancen erfolgreich nachhaltig zu bewältigen bzw. zu nutzen.